Meine Kurzgeschichten

Fadenspiel

1

Es war ein sonniger Morgen, weshalb sich Marc Seiler auf den Weg zu seinem geheimen Lieblingsplatz begab. Immer wenn er den Tag friedlich starten wollte, ging er nicht sofort ins Büro, er nahm einen Umweg in einen abgelegenen Park am Stadtrand. Dieser Ort war ein echter Geheimtipp und früh morgens war keine Menschenseele anzutreffen. Er setzte sich, wie immer, einen Moment auf seine Parkbank, schloss die Augen und genoss den Augenblick der Ruhe. Als CEO von MediBrain, ein Pharmaunternehmen, das sich auf neurologische Medikamente spezialisierte, war sein Arbeitsleben hektisch genug. Oft arbeitete er von früh morgens bis spät in die Nacht. Das machte ihm an den meisten Tagen nichts aus, er war ein selbsternannter Workaholic, aber dann gab es eben auch jene Tage, an denen er einen Moment des Innehaltens für sich brauchte und diese Parkbank aufsuchte. Er genoss die Stille, horchte nur dem Wind, den raschelnden Bäumen den Vögeln, die angenehm zwitscherten. Doch plötzlich riss ihn ein piepsiges Geräusch aus seinen Gedanken und brachte ihn zurück zur Realität. Ach, so ein Mist, mein Smartphone, bestimmt schon wieder ein wichtiger Termin, dachte er. Marc griff in seine Tasche, zog sein Smartphone heraus und schaute auf das Display. Doch da war nichts, weder eine Nachricht noch ein Anruf in Abwesenheit.

Merkwürdig, ich hätte schwören können, da wäre ein Geräusch gewesen, brummte er in sich hinein. Er schaute nach links und rechts, um zu sehen, ob sich eventuell doch eine weitere Person hierher verirrt hatte, doch es war niemand da. Auf einmal fiel sein Blick neben sich auf die Bank, da lag ein Smartphone. Irritiert schaute er es an. Wo kommt das denn her, liegt das schon die ganze Zeit hier? Er nahm es in die Hand und schaute auf den Bildschirm, der eine neue Nachricht aufzeigte. Neugierig wischte er auf dem Display herum und gelangte zum Home Bildschirm.

Das Handy ist nicht einmal mit einem Passwort gesperrt, seltsam, wer macht denn sowas? Egal, mal sehen, was in der Nachricht steht, vielleicht verrät die etwas über den Besitzer. Spannungsvoll klickte er auf das Nachrichtensymbol. Viel stand da nicht, nur vier Worte: Schau in die Fotogalerie. Wieso sollte jemand so etwas schreiben? Während er sich über diese Nachricht sehr wunderte, packte ihn zugleich die Neugier und er öffnete gespannt die Galerie auf dem Smartphone. Dort war nur ein einziges Foto zu sehen. Als er es öffnete, verlor er die Kontrolle über seine Hände und lies vor Schreck das Handy fallen. Er erstarrte im Moment. Das kann nicht wahr sein, woher kommt das Handy? Es war für ihn bestimmt, daran gab es keinen Zweifel. Jemand musste es bewusst dort platziert haben, aber wer? Er hatte niemandem von diesem Ort erzählt. Noch einmal schaute er auf das Foto, in der Hoffnung, er hätte es sich nur eingebildet, aber es gab keinen Zweifel, das Foto existierte.

Er hatte es schon beinahe vergessen, verdrängt. Und plötzlich schoss aus seinem tiefsten Innern ein Bild hervor. Eine Erinnerung, die lange Zeit nur noch in seinem Unterbewusstsein existierte. All die Jahre hatte er nicht mehr daran gedacht. Aber jetzt war es wieder so real, dass er es nicht weiter verdrängen konnte. Das darf doch nicht wahr sein. Er kniff sich kurz in den Arm, in der Hoffnung, gleich aus diesem Albtraum zu erwachen. „Au. Mist.“ Er musste der Wahrheit ins Auge sehen, irgendjemand kannte sein Geheimnis.

 

2

Edinburgh, Schottland, 15 Jahre zuvor

Peter startete in sein Auslandssemester voller Vorfreude. Sein letztes Uni-Jahr hatte begonnen, danach begann das wahre Leben. Dank seiner Noten, sozialen Engagements in verschiedenen Studentenorganisationen sowie Empfehlungen von Professoren und bisherigen Arbeitgebern, war ihm mit seinem Mastertitel in International Management eine Anstellung mit Führungsverantwortung so gut wie sicher. Er musste nur noch dieses Semester hinter sich bringen. Drei seiner Kommilitonen aus Deutschland, Karsten, Stefan und Robin, waren auch mitgekommen. Die ersten Wochen an der Uni liefen reibungslos. Es gab nur eine Person, die ihm ein Dorn im Auge war, Kathleen. Sie kam aus London und war ebenfalls Gaststudentin. Sie war eine Musterschülerin, schrieb nur Einsen, war sehr schüchtern und ruhig, aber sie war auch hinterlistig. Peter verfolgte immer eisern seine Ziele. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, konnte ihn niemand von seinem Vorhaben abbringen, egal wie viele Opfer es kostete. Er war ein Fuchs. Er hatte gute Verbindungen, denn Netzwerken war schon immer seine Stärke gewesen, die sich auch immer auszahlte. Dadurch gelang es ihm das ein oder andere Mal, Klausurprüfungen und Bewertungskriterien für die bevorstehenden Prüfungen zu ergattern. Dummerweise hatte Kathleen das mitbekommen. Sie ging zum Professor und klärte ihn darüber auf, dass Peter und seine Kollegen die Prüfungskriterien hatten. Die vier Jungs wurden daraufhin vom Professor verhört. Sie beteuerten, dass sie die Ergebnisse im Internet gefunden hatten. Er glaubte ihnen, änderte aber daraufhin seine Bewertungskriterien und nahm die Mogler seitdem ganz genau unter die Lupe. Kurzum, bei ihm hatten sie dank Kathleen nichts mehr zu lachen. Sie schworen sich, das würde sie bereuen. Daraufhin piesackten sie die ruhige Studentin immer mehr und immer brutaler. Was mit harmlosen Streichen begann, artete in Mobbing aus und führte letztlich zu einem schlimmen Unfall.

 

3

Schweißgebadet verließ er den Park und lief schnellen Schrittes weiter ins Büro. Während seines Fußmarschs hatte er das Gefühl, beobachtet zu werden, panisch schaute er sich um, konnte aber niemanden erkennen. Trotzdem lief er immer schneller. Das Handy packte er in seine Aktentasche.

Den ganzen Tag über fühlte Marc sich extrem unruhig und angespannt, was auch seiner Assistentin nicht verwehrt blieb.

„Ist alles in Ordnung, Herr Seiler? Sie sehen heute blass aus.“

 „Nein, nein, alles in Ordnung, Frau Kramer. Ich bekomme vermutlich nur eine kleine Erkältung“, erklärte Marc, in der Hoffnung, sie würde es glauben und die Diskussion wäre damit gegessen.

„Na gut, dann werde ich ihnen gleich einen Kräutertee zubereiten, der wirkt wahre Wunder, Sie werden schon sehen.“ Frau Kramer schmunzelte, aber Marc hörte ihr schon gar nicht mehr zu, er war schon wieder tief in seinen Gedanken versunken. Wie konnte ich mit dem Unfall in Zusammenhang gebracht werden? Als er aus Schottland zurückkehrte, wechselte er sicherheitshalber seine Identität und nannte sich von da an Marc Seiler, Peter Müller war auch nicht unbedingt der geeignete Name für jemanden, der ganz nach oben wollte, viel zu gewöhnlich. Dank seiner Fähigkeit zu Netzwerken hatte er in alle Kreise gute Kontakte. Er kannte einen Rechtsanwalt, der gegen ein kleines Honorar sein Anliegen bei der zuständigen Namensänderungsbehörde aufbrachte. Dort kannte er den zuständigen Beamten sehr gut, der die Scheinchen nur allzu gerne entgegennahm und seinen Namen auf sämtlichen Papieren änderte, ohne den Grund dafür zu hinterfragen.

Wie war es überhaupt möglich, dass jemand von dem Unfall wusste? Er hatte noch wochenlang danach die Zeitungen durchforstet und es gab absolut keine Hinweise darauf.

Seine Kommilitonen konnten es nicht gewesen sein, sie hatten geschworen, nie wieder ein Wort darüber zu verlieren. Außerdem waren sie genauso daran beteiligt wie er selbst, sie saßen alle im selben Boot. Aber vielleicht war das der Schlüssel. Ich muss Karsten, Stefan und Robin ausfindig machen. Vielleicht haben sie das Foto auch erhalten.

Doch er kam nicht mehr dazu, seine Recherche zu beginnen. Das fremde Smartphone piepste. Eine SMS.

Anonymer Absender:

Lass uns ein Spiel spielen…

Verdammt, wer ist das, was bezweckt derjenige? Marc überlegte kurz, was er tun sollte, antwortete dann.

 Ein Spiel? Was für ein Spiel? Wer bist du?

Anonymer Absender:

Ich möchte, dass du für mich ein paar Dinge erledigst, ansonsten bring ich dein Geheimnis an die Öffentlichkeit und enthülle der Welt, was für ein Mensch du wirklich bist. Deine erste Aufgabe lautet: Nach der Arbeit heute Abend musst du dir deine Haare abrasieren.

Das soll doch wohl ein Witz sein!

Marc reichte es, es war bereits 19 Uhr. Da er nicht mehr in der Lage war, überhaupt an die Arbeit zu denken, packte er seine Sachen zusammen und verließ sein Büro. Normalerweise ging er abends zu Fuß nach Hause. Da er sich aber in der beginnenden Abenddämmerung alleine nicht wohl fühlte, nahm er die U-Bahn. Dort sind wenigstens viele Menschen, die einschreiten könnten, wenn mich jemand angreift.

Zuhause angekommen, ließ er sich erschöpft aufs Sofa fallen und dachte schon gar nicht mehr an seine Aufgabe. Bis eine neue SMS ihn daran erinnerte.

Anonymer Absender:

 Na los, mach schon, worauf wartest du? Verabschiede dich von deinen dichten, dunklen Locken und schicke mir ein Beweisfoto.

Er fühlte sich mehr und mehr unwohl. Ruckartig drehte er sich um, wurde er beobachtet, jetzt, in diesem Moment? Aber das konnte nicht möglich sein, niemand außer ihm hatte Zugang zu seinem Haus.

Es piepste wieder.

Anonymer Absender:

Na los, oder deine Freundin erfährt als erste von deinem dunklen Geheimnis.

Das war nicht möglich. Sarah und er waren erst seit kurzem ein Paar. Sie hatten die Beziehung noch nicht öffentlich bekannt gegeben, woher konnte diese Person davon wissen? Er hatte zuvor aufgrund seines Jobs jahrelang keine Beziehung mehr. Er war auch mehr der Typ Draufgänger als ein Beziehungsmensch. Doch bei Sarah fühlte es sich anders an, das hatte durchaus Potenzial sich zu einer ernsthaften Beziehung zu entwickeln. Umso schlimmer war diese Drohung. Er musste das um jeden Preis verhindern! Schweren Herzens ging er ins Bad und suchte nach seinem Trimmer, den er normalerweise nur für seinen Bart benutzte, aber einen anderen hatte er nicht. Überhaupt war er was seine Haare anging sehr eitel. Er ließ sich normalerweise nur von seinem Stammfriseur Armin die Haare schneiden. Marc stellte den Trimmer auf 2 Millimeter ein, verharrte kurz, setzte dann den Rasierer am Scheitel an und zog ihn sachte in Richtung Hinterkopf. Ihm blieb der Mund offenstehen, aber es gab kein Zurück mehr. Also vollendete er mit schmerzerfülltem Gesicht und unter aufkeimenden Tränen seinen Schnitt. Anschließend rasierte er den Rest der übriggebliebenen Stoppeln vom Kopf. Er betrachtete sich für einige Minuten im Spiegel.

Mit der Glatze sehe ich aus wie Meister Propper, so ein Mist!

Knurrend wünschte er sich er wüsste wer die Person ist, um sich an ihr dafür zu rächen. Ich werde rauskriegen wer du bist und dann Gnade dir Gott!

Doch seine Rachegelüste konnte er in Gedanken nicht weiter ausführen, denn es klingelte an der Tür. Kurzerhand schickte er der fremden Person das Beweisfoto seiner Glatze und lies das Handy in seiner Tasche verschwinden. Er öffnete die Türe. Seine Freundin Sarah machte einen entsetzen Gesichtsausdruck, den er im ersten Moment nicht deuten konnte. Dann wurde ihm wieder bewusst, was soeben passiert war und Sarah das Resultat seiner Rasur offensichtlich nicht gefiel.

„Ach du meine Güte, wie siehst du denn aus, was ist mit deinen Haaren passiert?“

Mist, was soll ich sagen? Er hatte sich noch keine plausible Erklärung zurechtgelegt und entschied sich kurzerhand für eine Notlüge.

„Ich äh, habe eine Wette verloren.“

„Mit wem hast du denn gewettet?“, seine Aussage erschien ihr suspekt.

„Mit Karl, es ging um die aktuellen Quartalszahlen. Er hatte bei der Quartalsplanung gesagt, dass die Schätzung bereits sehr optimistisch ist und wir die Umsätze nicht weiter steigern können. Ich sagte ich wette dagegen. Leider machte uns Psychodal einen Strich durch die Rechnung.“ Psychodal war ein neues hochpotentes Neuroleptikum von MediBrain, das gezielt zur Behandlung von Wahnvorstellungen und Halluzinationen bei psychisch kranken Patienten eingesetzt werden sollte. Allerdings führten umfangreiche Teststudien zur Verzögerung der Markteinführung. Karl, CFO von MediBrain, war Marc, was Zahlen betraf, weit überlegen. Aber Sarah kannte ihn nur vom Hörensagen, sodass sie seine Zahlenaffinität nicht bewerten konnte.

„Hättet ihr nicht einen anderen Wetteinsatz wählen können, zum Beispiel Geld, so wie jeder normale Mensch das tun würde?“

„Ach Schätzchen du weißt doch, Geld haben wir beide nun wirklich genug. Und meine Haare wachsen auch wieder.“

„Na schön, ändern kannst du es jetzt sowieso nicht mehr.“ Sarah schnaubte verächtlich. Wenn sie von etwas genervt war, konnte sie unerträglich werden, aber damit musste er sich heute wohl abfinden. Bevor er ins Bett ging schaute er noch einmal auf sein Handy.

Anonymer Absender:

Du hast die Aufgabe bestanden. Übrigens, toller Haarschnitt!

Am liebsten würde er diese Person erwürgen! Mit rotem, wutentbranntem Kopf ging er ins Bett und fand in dieser Nacht keinen erholsamen Schlaf. Er wurde das Gefühl nicht los, dass das gerade erst der Anfang war.

 

4

„Lasst uns sie fertig machen, diese Petze!“ schrie Karsten, noch immer aufgebracht von Kathleens Vorstellung beim Professor.

„Was hast du dir vorgestellt?“

„Na was wohl, Peter! Wir brechen sie, Stück für Stück. Für den Anfang schicken wir ihr üble Nachrichten, ich habe auch schon ein Prepaid-Handy mit schottischer Nummer besorgt. Damit können wir sie einige Tage belästigen und anschließend das Handy zerstören, damit die Nummer nicht zu uns nachverfolgt werden kann, für den Fall, dass sie auch bei der Polizei petzen will. Wir machen das so lange, bis sie ihre Lektion gelernt hat. Mit uns legt sich keiner an!“

 

5

Schweißgebadet und gerädert wachte Marc aus seinem Albtraum auf. Doch das Smartphone und die Tatsache, dass jemand ihn fertigmachen wollte, waren real. Seine Glatze bewies es eindrucksvoll. Er hatte immer schon gerne Krimis und Thriller gelesen, jetzt steckte er selbst mittendrin in seinem ganz eigenen Krimi. Er griff zum Wecker, der 5:00 Uhr anzeigte. Da er sowieso nicht mehr schlafen konnte, stand er auf, lief in die Küche und brühte sich eine heiße Tasse Kaffee auf. Der Geruch von frischem Kaffee hatte ihn schon das ein oder andere Mal besänftigen lassen. Er nahm einen großen Schluck, schloss kurz die Augen, um wenigstens diesen Moment vollends zu genießen. Anschließend setzte er sich an seinen Rechner und recherchierte, um seine ehemaligen Kommilitonen ausfindig zu machen. Robin war im Netz nicht auffindbar, vielleicht hatte auch er seinen Namen geändert. Mal sehen ob er mit Stefan mehr Glück hatte, das hatte er. Moment mal, das kann nicht sein. Ist das der Stefan? Er fand eine Todesanzeige auf der stand: Stefan Gruber, geboren 15.01.1985, gestorben 28.02.2020.

Das Geburtsdatum kommt hin, das Foto auf der Anzeige sieht ihm erschreckend ähnlich. Aber das kann nicht sein, 28.02.2020, das war vor zwei Monaten!

Er fand nur einen weiteren Hinweis auf der Todesanzeige: „Ein schrecklicher Unfall hat dich viel zu früh aus dem Leben gerissen.“

Ein Unfall…. kann das wahr sein? Was, wenn er genauso wie ich erpresst wurde und die Quittung für seine Taten zahlen musste? Marc umklammerte sich und rieb an seinen Armen, es schauderte ihn. Auch die Recherche nach Karsten verlief anders als erhofft. Auch er war vor 3 Jahren aufgrund eines Unfalls verstorben. Halb ohnmächtig saß Marc auf seinem Stuhl und bewegte sich eine halbe Ewigkeit gar nicht. Dann wachte er aus seinen Gedanken auf, schnappte die Schlüssel und ging ins Büro. Seine Freundin ließ er schlafen. Es half ja nichts, er durfte jetzt nur eines nicht tun, sich irgendetwas anmerken lassen. The show must go on.

 

6

„Guten Morgen Herr Seiler. Ach du meine Güte, wie sehen Sie denn aus?“ Frau Kramer war sichtlich bestürzt über Marcs Glatze und sie machte keinen Hehl daraus, während sie ihm seinen morgendlichen Kaffee auf den Schreibtisch stellte.

„Ich, ähm, ich wollte einfach mal etwas neues ausprobieren.“

„Sie? Was Neues ausprobieren? Das ist doch sonst nicht Ihre Art.“

Frau Kramer hatte recht. Sich auf neue Dinge einzulassen gehörte nicht unbedingt zu seinen Stärken. Er mochte Situationen, die ihm vertraut waren, wo er sich auskannte und seine Stärken ausspielen konnte. Das durfte er vor ihr aber nicht zugeben.

„Ach Frau Kramer, ich kann doch auch mal spontan sein oder nicht?“, mit wütendem Blick funkelte er sie an.

Damit war das Thema gegessen. Frau Kramer traute sich nicht auch nur ein weiteres Wort zu sagen, denn Sie wusste, das könnte das Fass zum Überlaufen bringen und seine cholerischen Züge hervorbringen. Sie entschied sich für den einzigen Ausweg, die Flucht, und verlies sein Büro. Kaum war sie verschwunden, klingelte bereits wieder das fremde Handy.

Anonymer Absender:

Ich habe eine weitere Aufgabe für dich. Beim heutigen Führungsmeeting musst du laut vor deinen Kollegen singen. Schicke mir als Beweis ein Video davon.

Marc konnte nicht glauben was er gerade las, und schrieb zurück: „Das soll doch wohl ein Witz sein, damit mache ich mich ja lächerlich. Das kommt gar nicht in Frage. Und überhaupt, woher weißt du von dem Führungsmeeting, spionierst du mich aus?“

Anonymer Absender:

Gut, deine Entscheidung, dann wird sich die Polizei sicherlich über die Beweise freuen, die dich erdrücken werden.

Das Führungsmeeting rückte näher, noch immer wusste er nicht, was er tun sollte. Würde er vor seinen Kollegen mitten in einem wichtigen Meeting zu singen anfangen? Sie würden ihn ja alle für bekloppt halten. Andererseits, welche Wahl hatte er?

Im Sitzungszimmer platzierte er das Handy unauffällig zwischen zwei Tischpflanzen und schaltete die Kamera ein. Sein Vorstandskollege Karl übernahm das Wort und berichtete über die finanzielle Lage der Firma, die aufgrund der verzögerten Markteinführung von Psychodal etwas in Schieflage geraten war. Während Karl mit seinen Zahlen jonglierte, stand Marc auf einmal auf und begann lauthals aus voller Brust zu singen. Ungläubig drehten sich seine Kollegen zu ihm und betrachteten ihn mit offenstehenden Mündern.

„Marc, was soll das? Spinnst du?“, Olaf, drittes Vorstandsmitglied, war sichtlich empört, seine Halsschlagader war angeschwollen.

„Entschuldige Olaf, ich wollte nur ein bisschen Schwung hier reinbringen. Das Zahlengefasel ist doch etwas einschläfernd, nichts für Ungut, Karl.“

Jetzt klappte den beiden endgültig die Kinnlade runter.

„Ich glaub es ja nicht, das ist wirklich respektlos, das muss ich mir nicht bieten lassen. Und überhaupt, riecht es hier nach Schnaps? Hast du was getrunken, Marc?“, Karl beugte sich zu ihm, um seinen Atem riechen zu können. Darin schwang eine ganz leichte Alkoholnote. „Was? Spinnst du? Willst du mir jetzt etwa unterstellen, dass ich trinke, nur weil ich ein kleines Ständchen gesungen habe? Das ist doch lächerlich.“ Der Schuss ging ja mal völlig nach hinten los, dachte sich Marc, aber wie kommen sie darauf, ich hätte etwas getrunken?

„Wisst ihr was, wir sind hier ja sowieso so gut wie fertig, ich werde dann schon einmal gehen.“, schnurstracks steckte er das Smartphone ein und verließ das Sitzungszimmer. Sobald die Türe hinter ihm geschlossen war, atmete er in seine Hand. Tatsächlich, sein Atem roch ganz leicht nach Schnaps. Waren es vielleicht die Pralinen, die seine Sekretärin ihm nach dem Mittagessen gereicht hatte?

Bing.

Anonymer Absender:

Na, das war doch lustig. Ich hoffe du hattest genau so viel Spaß wie ich.

Zornig, mit hängenden Schultern und einem starken Gefühl der Machtlosigkeit ging er nach Hause.

 

7

Erschöpft sank er auf seine Couch. Womit hatte er das nur verdient? Ok, sie waren damals das ein oder andere Mal übers Ziel hinausgeschossen. Er erinnerte sich, dass sie Kathleen auf dem Weg zum Fitnessstudio gefolgt waren und ihr in der Umkleidekabine nachstellten. Marc kam auf die Idee, Fotos von ihr in Unterwäsche zu machen, um etwas gegen sie in der Hand zu haben. Für den Fall, dass sie nochmal auf die Idee kam, ihm und seiner zukünftigen Karriere in die Quere zu kommen. Und so kam es, dass Kathleen sich im HR Kurs für ein Referat das Thema Leadership aussuchte, das er unbedingt behandeln wollte. Jeder wusste doch, dass er der geborene Leader war, sie hingegen war nur ein armseliges graues Mäuschen, das den Mund nicht aufbekam. Sie hätte sich vielleicht als Kaffeetante gut gemacht, aber als Chefin wäre sie völlig ungeeignet gewesen. Unendlich wütend marschierte er aus dem Hörsaal direkt in die Uni-Bibliothek und druckte die Fotos aus, die er von ihr in der Umkleidekabine geschossen hatte. Er saß bis spät abends in der Bibliothek, wartete bis alle anderen Studenten weg waren und machte sich ans Werk. Die Fotos verteilte er auf dem gesamten Campus. Gleichzeitig schickte er sie mit unterdrückter Rufnummer an all seine Kommilitonen, die zu der Zeit im Besitz eines MMS-fähigen Handys waren. Er sah ihr Gesicht noch heute vor sich, als sie am nächsten Morgen die Uni betrat und die Fotos an den Wänden sah. Er schaute sie mit funkelnden und leicht zusammengekniffenen Augen direkt an, sie hielt seinem Blick nur kurz stand. Die geröteten Wangen und der ausweichende Blick zum Boden verrieten ihre Scham. Es verging nur ein kurzer Moment, da sah er, wie ihre blauen Augen überquollen und eine Träne ihre Wange herunterkullerte, ehe sie reflexartig das Gebäude verlies. Ach, die kommt schon wieder drüber hinweg, dachte er sich, während in ihrem Innern etwas zerbrach, wovon er gar keine Vorstellung hatte. Es war der Glaube an das Gute im Menschen. Die Universität kehrte den Vorfall unter den Teppich, denn eine öffentliche Debatte zum Thema Mobbing konnten sie absolut nicht gebrauchen. Und so ging der Psychoterror weiter, sie erhielt am laufenden Band Anrufe von unbekannten Teilnehmern, doch er war sich sicher, dass sie wusste, dass er einer der Drahtzieher hinter allem war, nur Beweise hatte sie keine. Sie hatten immer darauf geachtet, keine Spuren zu hinterlassen, wie konnten sie dann am letzten Abend so leichtsinnig sein. Es muss ihnen jemand gefolgt sein und dieser jemand erpresst ihn gerade. Aber warum hat er 15 Jahre damit gewartet?

 

8

Die nächsten Tage erhielt Marc keine neuen Aufgaben, worüber er einerseits froh war, andererseits machte es ihn verrückt nicht zu wissen, was als nächstes passieren könnte. Auch eine weitere Internetrecherche über seinen damaligen Kommilitonen Robin ergab keine Treffer. Hier kam er also nicht weiter, seine Kollegen von damals konnten ihm keine Antworten geben, zumal zwei davon bereits nicht mehr am Leben waren. Ihn beschlich das unangenehme Gefühl, dass ihr Tod etwas mit der damaligen Tat zu tun haben könnte. In den letzten Tagen fühlte sich Marc immer schlechter. Selbst der Beruhigungstee, den seine Freundin ihm seit Tagen zubereite, erzielte nicht die gewünschte Wirkung. Auch ihr war sein erregter, geradezu zappeliger Gemütszustand nicht entgangen. Er erzählte ihr, es läge an dem Stress und den wichtigen Entscheidungen, die er auf der Arbeit treffen müsse und die auf seinen Schultern lasteten. Sie hinterfragte seine Äußerungen nicht und so ging er davon aus, seine Notlüge glaubwürdig dargelegt zu haben. Leider betrübte sein derzeitiger Zustand tatsächlich seinen sonst so klaren und kontrollierten Verstand. Während er über den Ergebnissen zur Psychodal-Studie saß und mit einem Auge ständig zum Handy schielte, öffnete Frau Kramer so ruckartig die Türe, dass er augenblicklich auf seinem Stuhl zusammenzuckte.

„Herrgott nochmal, Frau Kramer, können Sie nicht anklopfen?“

„Oh, Entschuldigung, habe ich Sie gestört? Ich wollte Ihnen nur ihren Kaffee bringen.“

Frau Kramer stellte den Kaffee auf seinen Schreibtisch und musterte ihn, ohne Anstalten zu machen, sogleich das Bürozimmer zu verlassen.

„Jaja, jetzt haben sie ihn ja gebracht. Ist sonst noch was oder was stehen Sie noch hier rum?“ Offenbar hatte sie bemerkt, dass Ihre Anwesenheit nicht erwünscht war. Lautlos schlich sie aus dem Raum. Die Stunden vergingen, ohne, dass er etwas produktives getan hatte. Er schaffte es nicht einmal die Studie fertig zu lesen, dabei hatte er in 15 Minuten die nächste Vorstandssitzung, in der über die weitere Vorgehensweise zu Psychodal entschieden wurde. Also gab er seine Zustimmung zur Einführung von Psychodal, die Studie wird schon zu seinen Gunsten ausgefallen sein.

Als er den Meetingraum betrat, hatten Olaf und Karl bereits auf ihren Stühlen Platz genommen, bereit für Marcs Einschätzung zum Produkt.

„Marc, gib uns bitte ein Update zur aktuellen Empfehlung für Psychodal“, Karl war schon gespannt auf die heutige Entscheidung. Die Einführung sollte schleunigst erfolgen, je länger sie hinausgezögert würde, desto weniger profitabel wäre das Produkt.

„Sehr gerne, Karl. Die Studie ist wie erwartet, zu unseren Gunsten ausgefallen. Keine auffälligen Nebenwirkungen, wir können sofort mit dem Launch starten.“

„Großartig, das wird unsere Aktien ordentlich nach oben treiben. Ich wusste, dass heute ein guter Tag wird.“

Bing. Ein Handy klingelte. Erschrocken zuckte Marc zusammen und griff sofort nach dem Handy in seiner Hosentasche. Nichts, keine neue Nachricht.

„Noch mehr gute Neuigkeiten, meine Frau hat uns für heute Abend einen Tisch im Olivo reserviert, endlich wieder Kobe-Rind. Nach einer Woche von meiner Frau auferlegter Gemüsediät falle ich schon vom Fleisch. Ich brauche dringend Nachschub.“ Karl und Olaf lachten, aber Marc war alles andere als zum Lachen zu Mute.

„Was ist denn los Marc, geht’s dir nicht gut? Du siehst etwas blass aus?“, Olaf wirkte aufrichtig besorgt.

„Nein nein, alles gut, ich schätze Psychodal hat mir die letzten Wochen etwas zugesetzt, aber jetzt ist endlich Land in Sicht.“

Marc war heilfroh, als er endlich zu Hause war, obwohl er sich auch hier nicht mehr sicher fühlte. Ständig beschlich ihn das Gefühl beobachtet zu werden, doch das war unmöglich. Nicht in seinen eigenen vier Wänden. Niemand hatte Zugang zu seinem Haus und sich unbefugten Zutritt zu verschaffen, war gar nicht so einfach, denn er hatte sich bereits vor Jahren eine Alarmanlage installieren lassen. Bei seinem Wohlstand wusste man nie, welche Neider es auf sein Vermögen abgesehen hatten.

Es klingelte. Zögerlich näherte er sich der Türe und öffnete. Sarah stand mit einer Einkaufstüte in der einen und einer Flasche Rotwein in der anderen Hand, vor seiner Türe. Er hatte ganz vergessen, dass sie heute Abend zum Essen verabredet waren. „Oh, Hi Schatz, komm rein.“ Er versuchte, sich seinen verwunderten Blick nicht anmerken zu lassen und küsste sie schnell zur Begrüßung. Er hasste es, über eine Situation keine Kontrolle zu haben, leider geschah das in den letzten Wochen seit er das unbekannte Handy gefunden hatte, täglich. Oder vielmehr, seit das Handy ihn gefunden hatte und diese eine Person, die ihn offensichtlich fertig machen wollte.

„Alles ok, Marc? Du wirkst schon wieder so nervös.“, Sarah sah ihn stirnrunzelnd an.

„Alles gut, es war nur wieder ein stressiger Tag auf der Arbeit. Man bin ich froh, wenn wir Psychodal endlich gelauncht haben.“

„Pass bloß auf, sonst raubt dir das Medikament noch deinen Verstand“, witzelte Sarah.

Marc jedoch verzog keine Miene, selbst für kleine Scherze konnte er sich nicht aufraffen. Um von sich abzulenken, fragte er: „Was hast du mitgebracht?“

„Coq au Vin und französischen Rotwein.“

„Fleisch und Alkohol, klingt perfekt.“

 

„Der Wein war richtig gut, schade, dass er schon leer ist.“

„Das nächste Mal bringe ich zwei Flaschen mit, versprochen.“ Sarah stand auf und zog ihre Jacke an.

„Willst du heute nicht hier schlafen?“, Marc konnte jetzt dringend Gesellschaft gebrauchen, das lenkte ihn zumindest eine Zeit lang von seiner Misere ab.

„Ein anderes Mal wieder, ich muss morgen früh raus, hab ein wichtiges Meeting.“

Sarah arbeitete für eine Rechtsanwaltskanzlei und war auf dem besten Wege als Partner aufzusteigen. Erfolgreiche Menschen ziehen sich eben an, dachte sich Marc. Und so verabschiedeten sie sich und er war wieder allein mit seinen Gedanken.

 

9

Der nächste Morgen startete mit einer bösen Überraschung. Der Aufsichtsrat hatte ihn für den kommenden Tag einberufen. Es ging um die Marktreife von Psychodal. Scheinbar gab es Unstimmigkeiten zwischen den Studienergebnissen und seiner Aussage. Karl und Olaf hatten darauf gepocht, die Studie ebenfalls zu erhalten. Normalerweise unterlagen alle produktrelevanten Entscheidungen ausschließlich Marcs Zustimmung. Die Herren erzählten Frau Kramer, dass sie wegen Marcs merkwürdigem Verhalten in den letzten Wochen besorgt waren und deshalb auf Nummer sicher gehen wollten. Frau Kramer rückte daraufhin die Unterlagen unverzüglich und ohne Absprache mit Ihrem Chef raus. Es war wohl doch keine gute Idee, die Studie nicht zu lesen. Hoffentlich gibt es keine gravierenden Abweichungen. Das könnte mich unter Umständen den Job kosten.

Gerade als er dachte, der Tag könnte nicht noch schlimmer werden, erhielt er einen Anruf.

„Hallo?“

 „Herr Seiler?“

„Ja, am Apparat.“

„Hier spricht die Polizei. Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass es in Ihrem Haus einen Brand gegeben hat.“

„Was? Wie kann das sein, ich war doch heute Morgen noch zu Hause, da war alles in Ordnung.“

„Der Brand konnte mittlerweile gelöscht werden, können Sie schnellstmöglich zu Ihrem Haus fahren, wir haben noch ein paar Fragen an sie. Wir werden dort warten.“

„Ja, ähm, ich komme sofort.“

Erst das Handy, dann der Erpresser mit seinen seltsamen Aufgaben und jetzt brannte das Haus. Das konnte kein Zufall sein. Er hoffte, dass der Brand schnell gelöscht werden konnte und kein allzu großer Schaden entstand. Aber als er auf seine Hofeinfahrt fuhr, wurden seine schlimmsten Befürchtungen wahr. Das Haus war nicht wiederzuerkennen. Die Wände größtenteils eingestürzt, nur vereinzelte tragende Balken hinderten das Haus daran, völlig in sich zusammenzubrechen. Aus dem überwiegend abgedeckten Dach rauchte es nach wie vor heraus. Sein Mund stand noch immer weit offen, als einer der Polizisten auf ihn zukam. „Herr Seiler, gut, dass sie so schnell kommen konnten. Es tut mir leid, aber wie sie sehen, konnte die Feuerwehr ihr Haus nicht mehr rechtzeitig retten. Leider wurden sie zu spät über den Brand informiert. Ihre Nachbarin auf der gegenüberliegenden Seite sah die Rauchschwade, als sie gerade vom Einkaufen kam.“

Das war wohl der Nachteil, wenn man ein großes Anwesen ohne direkte Nachbarn hatte, dachte sich Marc. Eine Frage brannte ihm regelrecht auf der Zunge. Denn es ging nicht nur um das Haus selbst, es ging um alles was sich in diesem Haus befand. „Wie sieht es innendrin aus?“

„Leider nicht gut, es ist alles abgebrannt, wir konnten Ihre Habseligkeiten, die sich im Haus befanden, nicht retten, falls Sie darauf hinauswollten.“

Da stand er nun, obdachlos, mittellos, zumindest für den Moment. Er hatte noch genug Geld auf seinem Bankkonto und in diversen Aktienpaketen. Dennoch, das Haus, in dem er bereits über 5 Jahre lebte, war für ihn besonders wertvoll.

„Wir vermuten, dass es eine defekte Gasleitung war, die eine Explosion und damit den Brand auslöste.“

„Eine defekte Gasleitung. Aber ich war doch heute Morgen noch hier, es war alles in Ordnung.“

Es gibt keine Indizien auf Fremdeinwirkung, trotzdem muss ich Sie das fragen. Gibt es eine weitere Person, die Zugang zu Ihrem Haus hat oder jemanden der es auf Sie abgesehen hat?“, der Polizist musterte Marcs Mimik aufmerksam.

„Nein, niemand außer mir hat einen Schlüssel zum Haus.“, mehr sagte er nicht. Wie könnte er auch. Wenn er dem Polizisten jetzt von seinem Erpresser erzählte, müsste er ihm das Handy zeigen und damit auch das Foto. Das Risiko durfte er auf keinen Fall eingehen. Doch es war sein Gegner, der Erpresser, der den Brand verursacht hatte, dessen war er sich sicher. „Melden Sie den Schaden der Versicherung, wenn Sie Glück haben, bekommen Sie was zurück. Können Sie solange bei jemandem unterkommen?“

„Ich denke schon.“ Mit einem kraftlosen und feuchten Handschlag verabschiedete Marc den Polizisten. Im nächsten Moment zückte er sein Handy und rief Sarah an.

„Hey Marc, du hab gerade gar keine Zeit, ich bin in einem wichtigen Meeting. Kann ich dich später zurückrufen?“

Marc hörte ihr gar nicht zu und stammelte nur: „M…m…mein Haus ist abgebrannt.“

„Was? Ach du meine Güte, ich weiß gar nicht was ich sagen soll.“

„Kann ich heute Nacht bei dir schlafen?“

„Ja klar, ich bin um 19 Uhr zu Hause, komm einfach vorbei. Du ich muss los, bis später“

Er wollte sich noch bedanken, doch sie hatte bereits aufgelegt. Noch einmal betrachtete er die Überreste seines Hauses, mit dem immer wiederkehrenden Gedanken im Kopf kehrte er seinem alten Zuhause den Rücken zu: hätte er damals doch nie diesen einen Fehler begangen!

 

10

15 Jahre zuvor…

Es war der Tag der Abschlussfeier für alle Auslandsstudenten an der Edinburgh University. Die Studentenorganisation „International Students Community“ veranstaltete für alle Gaststudenten eine Pub Tour in Edinburghs Altstadt. Peter alias Marc hatte Grund zu feiern, er war Jahrgangsbester unter allen Gaststudenten und kehrte mit einem der begehrten Doppelabschlüsse nach Deutschland zurück. Die Studenten zogen gerade durch die berühmte Victoria Street, entlang der bunt bemalten Häuser auf dem Weg zum nächsten Pub.

Die meisten feierten ausgelassen und tanzten zur rhythmischen Musik der Live-Band. Robin, der bereits zu viel getrunken hatte, bedrängte einige Studentinnen. Der Vorfall blieb nicht lange unbemerkt. Ein paar weitere Studentinnen mischten sich ein, darunter auch Kathleen. Sie nahm all ihren Mut zusammen und stellte sich gegen die Männergruppe, die sie fast das ganze Jahr über schikaniert hatten. Sie wägte sich plötzlich in Sicherheit, denn morgen war der ganze Spuk vorbei, sie würde nach Hause fahren und ihre Peiniger nie wiedersehen.

„He, was soll das, misch dich nicht ein, du Fotze!“, Robin wurde immer unruhiger. Um den Unmut der Leute nicht auf sich zu ziehen, drängte sich Peter an den schaulustigen Studenten vorbei, direkt auf Robin zu und zog ihn zurück. „Robin, hör auf, das bringt doch nichts. Die schmeißen uns hier sonst nur raus und rufen die Bullen.“

Robin schnaubte wiederwillig, zeigte aber Einsicht. Einige Zeit später beobachtete er, wie sich Kathleen mit ein paar Leuten unterhielt, sie gegenseitig ihre Kontaktdaten austauschten und sie sich anschließend von ihnen verabschiedete.

„Hey Jungs, Kathleen geht, sollen wir ihr folgen, ein letztes Mal?“

Stefan war von der Idee nicht sonderlich angetan. „Lassen wir es lieber gut sein und konzentrieren uns auf unsere rosige Zukunft.“

„Ach komm schon Stefan, sie hat es nicht anders verdient.“, Peter war Feuer und Flamme und auch Karsten konnte dem Drang sich ihr überlegen zu fühlen, nicht widerstehen. Unauffällig folgten sie ihr über die Victoria Street entlang der Scottish National Gallery, bis hin zur Princess Street, die Einkaufsmeile Edinburghs, die die Oldtown von der Newtown trennte. Von hier hatte man einen tollen Blick auf Edinburghs Wahrzeichen, das Castle. Doch selbst dieses konnte die jungen Männer nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Kathleen wohnte in Dean Village, ein schickes Örtchen, keine 10 Minuten Fußmarsch von der Oldtown entfernt. In diesem Stadtteil war es relativ ruhig, vor allem nachts. Allerdings gab es hier viele Wohnhäuser. Kurz vor Kathleens Wohnung, auf der Dean Bridge schnappten die Männer sie, hielten ihr den Mund zu und zerrten sie unter die Brücke. Bevor sie schreien konnte, riss Peter ein Stück seines Pullovers ab und verband ihr damit den Mund.

„Na du kleine Schnepfe, hast wohl gedacht du kommst damit ungestraft davon.“ Robin beäugte sie von oben bis unten. Kathleen konnte den Wahnsinn in seinen Augen sehen, das war kein gutes Zeichen. Ehe sie sich versah, kam eine geballte Faust direkt auf sie zu, sie spürte, wie ihr Kiefer knackste und eine warme Flüssigkeit aus ihrem Mund lief. Wenige Sekunden später lag sie am Boden. Mehrere Tritte trafen sie überall an ihrem Körper, sie wand sich, spürte überall den Schmerz und sie hatte nur noch einen Gedanken: das war das Ende. Ihr Körper verkrampfte und dann bewegte sie sich nicht mehr, spürte nichts mehr, bekam nichts mehr mit.

„Hey Jungs, das reicht! Stefan stellte sich vor den am Boden liegenden Körper, sodass die anderen unverzüglich zu treten aufhörten. Er ging auf die Knie, stupste Kathleen leicht an, aber sie rührte sich nicht. Um ihren Atem zu überprüfen, beugte er sich vor, doch da war nichts. „Scheiße Jungs, die atmet nicht!“

„Das kann nicht sein, so fest haben wir sie doch gar nicht getreten. Geh mal zur Seite.“ Peter umfasste ihr Handgelenk, um ihren Puls zu überprüfen, nichts. „Scheiße, kein Puls.“

Eine Weile standen die vier Täter regungslos da, unfähig etwas zu sagen. Stefan war der erste, der die Stille brach. Er schlug sich die Hände über den Kopf. „Oh mein Gott, was haben wir nur getan. Was machen wir denn jetzt?“ Er schaute fragend in die Runde. Dann ergriff Karsten das Wort: „Leute, wir müssen die Leiche loswerden.“

„Toller Vorschlag, wo willst du mitten in der Stadt eine Leiche verschwinden lassen? Das hätte nie passieren dürfen, wir sind viel zu weit gegangen“ Stefan zappelte nervös mit den Beinen.

„Ach komm, die Alte hat es doch nicht anders gewollt.“

„Halts Maul Robin und sieh endlich ein, was hier gerade passiert ist.“

 „Mach mich nicht dumm an Stefan, mit mir willst du dich nicht anlegen.“

Damit hatte er recht, mit Robin war nicht zu spaßen, er war unberechenbar und gewissenlos. Nach dem heutigen Abend galt das wohl für die ganze Truppe.

„Hey Jungs, schaut euch doch mal um, wir sind unterhalb der Dean Bridge, direkt am Water of Leith!“ Peter konnte gar nicht glauben, wie unglaublich einfach es war. Die Lösung lag direkt vor ihnen. Robin und Stefan schauten sich an und nickten Peter zu. Nur Karsten schien es noch nicht begriffen zu haben. „Und, was willst du damit sagen?“

„Ich will damit sagen, dass wir sie einfach in den Fluss werfen. Wir fliegen morgen früh um 6 Uhr nach Hause. Bis die Leiche gefunden wird, sind wir schon längst wieder in Deutschland. Alle anderen Studenten, die heute mit uns gefeiert haben, sind auch längst auf dem Heimweg. Die Polizei wird zunächst einmal ihre Identität ermitteln und die Familie ausfindig machen müssen. Dann werden sie vermutlich die Universitätsangestellten befragen, die von der Abschiedsparty erzählen und erst danach könnten sie eventuell Rückschlüsse auf uns ziehen. Bis es soweit ist, sind wir vorbereitet. Wir verwischen unsere Spuren, sodass sie uns nicht finden werden. Na, was sagt ihr?“

„Genial“, Karsten war sichtlich beeindruckt, „du schaffst es bestimmt mal ganz nach oben.“ „Das ist der Plan, mit weniger gebe ich mich nicht zufrieden.“

Alle packten mit an, hoben den Leichnam hoch und warfen ihn direkt vor ihren Füßen in den Fluss. Da das Wasser sehr niedrig stand, bedeckten sie den Leichnam sie so gut wie möglich mit Blättern, Ästen, Steinen und Moos. „Lasst uns hier und heute versprechen, dass wir nie wieder ein Wort darüber verlieren. Diese Tat ist nie passiert!“, Peter übte sich wieder einmal als Richtungslenker. Er streckte seine Hand nach vorne aus, Stefan legte seine darauf, dann folgten auch Karsten und Robin. „Versprochen“.

 

11

Marc hatte die ganze Nacht nicht geschlafen und fühlte sich furchtbar. Er war vorher noch nie bei Sarah, warum auch, er hatte schließlich das schicke Haus, also trafen sie sich immer bei ihm. Da er spät dran war, ging er ohne Umweg ins Büro direkt zum Meetingraum, alles andere als bereit, vom Aufsichtsrat verhört zu werden. Auf dem Weg traf er auf seine Vorstandskollegen, die ihn mit abschätzigen Blicken straften. Karl hob ihn am Ärmel. „Verdammt Marc, was hast du dir dabei nur gedacht? Wieso wolltest du Psychodal durchwinken, obwohl die Studie ganz klar beweist, dass die Dosis immer noch viel zu hoch und damit potentiell gefährlich für Patienten ist?“

Marc erwiderte nichts.

Im Sitzungsraum herrschte unerträgliche Stille, bis der Aufsichtsratsvorsitzende das Wort ergriff. „Herr Seiler, Sie sind als Vorstandsvorsitzender der Bereiche Forschung und Entwicklung, Marketing und Vertrieb direkt für die Genehmigung neuer Produkteinführungen verantwortlich. Sie haben die Einführung von Psychodal vergangenen Dienstag genehmigt, obwohl die letzte Studie eindeutig davor warnte, das Produkt zu verkaufen, weil es aufgrund ungenauer und zu hoher Dosen noch erhebliche Nebenwirkungen hervorrufen kann. Können Sie mir das erklären?“

„Ich, ähm, ich hatte in letzter Zeit viel um die Ohren, deshalb konnte ich die Studienergebnisse nicht genauestens betrachten. Da ich weiß, dass jeder Tag, an dem wir das Produkt nicht auf den Markt bringen können, ein Verlust für die Firma bedeutet, wollte ich nicht länger zögern.“

„Das hätten Sie aber besser tun sollen, wenn nach Markteintritt des Produkts herausgekommen wäre, dass wir, wissentlich der gravierenden Nebenwirkungen, das Produkt dennoch auf den Markt gebracht haben, wäre es das Aus für Psychodal gewesen. Ganz zu schweigen von dem Image- und finanziellen Verlust, den wir erlitten hätten.“

„Ich, ich, ich weiß.“ Marc war klar, dass er einen gravierenden Fehler begangen hatte. Er begann zu schwitzen, fühlte sich mehr und mehr bedrängt. Bekam Herzrasen und rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Eines der Aufsichtsratsmitglieder machte einen Schritt auf ihn zu. Sofort zuckte Marc zurück, während seine Hand über den Tisch fuhr und seine Tasche mitriss. Sie flog zu Boden und ein Teil des Tascheninhalts kullerte hinaus. Darunter eine Dose Pillen. Der Mann hob das Döschen auf und bemusterte es. „Psychodal, die Packung ist nur noch halb voll. Was wollen Sie damit, haben Sie die etwa selbst eingenommen? Sie sind doch ganz schön nervös und zittrig.“

„Was? Nein, das habe ich natürlich nicht.“ Marc verstand nicht was hier gerade passierte, wo kam die Packung her?

„Du benimmst dich doch schon seit Tagen so eigenartig, das passt doch zu den Pillen.“, meldete sich Olaf zu Wort. „Verdammt Marc, weißt du eigentlich, was die bei gesunden Menschen anrichten können? Angstausbrüche, Niedergeschlagenheit, Kontrollverlust, Depression bis hin zu schweren Psychosen.“ Jetzt durchwühlten die Herren seine Tasche. „Sieh mal einer an, ein Fläschchen Schnaps.“ Der Aufsichtsratsvorsitzende drehte sich zu Marc und schaute ihm direkt in die Augen. „Möchten Sie uns etwas sagen, Herr Seiler?“ „Nein, das gehört mir nicht, das müssen Sie mir glauben!“

„Herr Seiler, unter diesen Umständen bleibt mir nichts anderes übrig, als Sie zu suspendieren. Einen drogensüchtigen CEO, der keine klaren Entscheidungen mehr treffen kann, können wir uns schlicht nicht leisten. Sie sind mit sofortiger Wirkung freigestellt. Resigniert legte Marc seinen Kopf auf den Tisch, er wusste, er konnte nichts mehr tun.

In diesem Moment klingelte das Handy.

Anonymer Absender:

„Ich habe noch eine Aufgabe für dich!“

Nachdem er im Büro seine persönlichen Gegenstände zusammenpackte und von seinen ehemaligen Vorstandskollegen nach Draußen begleitet wurde, schrieb er zurück. „Verdammt, was willst du von mir? Willst du Geld?“

„Nein, aber das ist ein gutes Stichwort, denn genau darum geht es in deiner letzten Aufgabe. Ich möchte, dass du dein gesamtes Vermögen spendest. Ob an eine Einrichtung oder eine Person, bleibt dir überlassen.

Die letzte Aufgabe, na endlich, dann war dieser Spuk hoffentlich bald vorbei, dachte sich Marc. Sein ganzes Vermögen spenden, das klang erstmal übel, denn was hatte er noch ohne sein Geld. Plötzlich erkannte er in der letzten Aufgabe ein Schlupfloch. Er würde die Anweisungen befolgen und gleichzeitig den Gegner überlisten. Er ging zur Bank und befahl seinem Berater, sein gesamtes Vermögen inklusive der Aktien, auf eine bestimmte Person umzuschreiben.

Danach schrieb er ein letzte SMS. „Auftrag erledigt! Und jetzt lass mich in Ruhe!“

 

12

Mehrere Stunden nach seinem grandiosen Einfall, stand er mit einem Strauß Blumen vor Sarahs Haustüre und klingelte. 20 Uhr, sie müsste jetzt eigentlich zu Hause sein. Als sie die Türe öffnete kniete er nieder, hob den Strauß nach oben und öffnete eine kleine quadratische Schachtel. Darin lugte ein funkelnder Diamantring hervor. Sarah schlug die Hand vor den Mund.

„Ich weiß wir kennen uns noch nicht lange, aber ich weiß auch, dass du bist die Richtige bist. Willst du mich heiraten?“

Eine gefühlte Ewigkeit passierte nichts, sie stand einfach nur da. Dann begann sie aus tiefster Seele zu lachen, es klang dreckig. Sie drehte sich um und lief in Richtung Wohnzimmer, er folgte ihr.

Was passiert hier gerade, wieso lacht sie mich aus?

„Tut mir leid mein Lieber, aber meine Antwort ist nein, niemals. Niemals würde ich einen wie dich heiraten.“

Sie sagte das mit einem so verächtlichen Unterton, dass ihm ein kalter Schauer über den Rücken lief.

„Sarah, was sagst du da? Ich schütte dir mein Herz aus und du trampelst darauf rum, wieso?“

„Du schüttest mir dein Herz aus? Ha, dass ich nicht lache. Du denkst wie immer nur an dich und deinen eigenen Vorteil. Hier geht es nicht um uns, es geht darum, dass du dein Geld nicht verlieren willst, habe ich recht? Deshalb dieser Antrag, weil du an dein Vermögen kommen willst, das du mir überwiesen hast.“

Marc klappte die Kinnlade runter.

„Ja da sagst du nichts mehr, aber genauso ist es doch, nicht wahr Peter?“

„Www…was, woher…wer bist du?“

Oh, du weißt genau wer ich bin, tief in dir weißt du es. Und wenn nicht, dann denk mal 15 Jahre zurück und erinnere dich daran, was du mir angetan hast.

„Kathleen? Das kann nicht sein, Kathleen ist…“

„tot?“, vollendete Sarah den Satz. Ja das dachtet ihr, ich dachte es auch, aber ich wachte wieder auf. Nachdem ihr auf mich eingeprügelt habt, erlitt ich einen kataleptischen Anfall, dabei wird der ganze Körper starr und die Betroffenen verlieren ihr Bewusstsein. Meine Psyche wechselte in den Verdrängungsmodus, mein Körper stellte sich tot.“

„Aber ich habe deinen Puls gemessen, da war keiner.“

„Selbst der Puls fährt soweit runter, dass er kaum mehr spürbar ist. Ich war quasi bewusstlos mit ganz schwachem Puls. Und ihr, ihr habt mich einfach in den Fluss geworfen. Hätte meine Freundin Anna, die ich in Schottland kennenlernte, mich nicht gefunden, wäre ich dort vermutlich ertrunken und tatsächlich gestorben. Ihr wart am nächsten Tag fort, aber das Gefühl der Erniedrigung in mir war geblieben.“

„Es hat dich also jemand gefunden? Dann hat diese Anna das Foto geschossen?“

„Ja.“

„Aber warum bist du nicht zur Polizei gegangen?“

Sarah lachte: „Das wäre viel zu einfach gewesen. Ich wollte Rache, ich wollte dir alles wegnehmen was dir wichtig war, dein Ego und dein Geld, genauso wie du mir das Wichtigste genommen hast, meine Würde. Ich wollte euch bluten sehen, wortwörtlich. Deinen Kumpanen habe ich einen nach dem anderen direkt zur Strecke gebracht, weil sie wertlos und mittellos waren, totale Versager eben, genau wie damals. Aber du, in der Öffentlichkeit bekannt, CEO eines weltweit agierenden Pharmakonzerns, vermögend, das hatte Potential. Also beschloss ich mich auf andere Weise an dir zu rächen. Ich lernte Deutsch, solange bis ich akzentfrei sprechen konnte, änderte mein Aussehen, zog vor 5 Jahren hierher um dich eingehend zu beobachten. Ich fragte meine Freundin Anna, ob sie mir helfen würde. Sie war sofort einverstanden. Also bewarb sie sich als deine persönliche Assistentin in deiner Firma. Überraschung, dir dürfte sie als Frau Kramer bekannt sein. So hatte ich in deinem beruflichen Umfeld den perfekten Spitzel eingeschleust. Für das Privatleben war ich zuständig. Vor einigen Wochen beschloss ich dann, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für meine Rache gekommen war. Ich konnte deine Visage einfach nicht länger ertragen. Und so platzierte ich das Handy auf der Parkbank. Ich wusste du würdest es finden. Ich wollte zunächst ganz harmlose Spielchen spielen, weil es mir Spaß machte zu sehen, dass ich die Oberhand hatte. Dann habe ich dir nach und nach deine eigenen Pillen verabreicht, Anna kümmerte sich zusätzlich um den Schnaps auf der Arbeit. Ein CEO, der ein Drogenproblem hat, das sieht kein Unternehmen gerne. Dein Haus abzufackeln war auch ein Kinderspiel, ich habe mir vor Monaten bereits deinen Schlüssel nachmachen lassen und mir ungehinderten Zutritt zu deinem Haus verschafft. Und zum Schluss dein Geld. Ich wusste, du würdest es nicht gemeinnützig an eine Organisation und ohne einen Hintergedanken spenden. Denn so warst du schon immer, du schaust nur auf deinen eigenen Vorteil und denkst, dass du klüger als alle anderen bist. Aber da muss ich dich leider enttäuschen. Denn in diesem Moment bin ich die Klügere von uns beiden. Ich habe dich ausgetrickst und überlistet. Du hast nichts mehr und ich bin jetzt eine vermögende Frau.“ „Das reicht, ich geh zur Polizei, damit kommst du nicht durch!“ Marc war fassungslos, er hätte mit jedem als Gegner gerechnet, aber nicht mit ihr, Kathleen.

„Ach wirklich? Du hast nichts gegen mich in der Hand und einem drogensüchtigen, mittellosen Ex-CEO wird keiner glauben. Wenn du der Polizei trotzdem von unserem kleinen Spiel erzählen willst, dann werde ich auspacken. Ich habe im Gegensatz zu dir Beweise. Das Foto und Anna als Zeugin. Sieh es ein, ich habe gewonnen und du bist genau dort, wo du hingehörst, am Boden.

In diesem Moment wurde ihm bewusst, dass sie recht hatte. Marc hatte sich unwissentlich sein eigenes Grab geschaufelt. Er hatte alles verloren und sie hatte die ganze Zeit die Fäden gezogen.

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